Sondor
war eine Kultstätte der
Chankas,
ein Volk, das zunächst die
Huari
in Zentral-Peru verdrängte und sich dann
bittere Kämpfe mit den
Inkas
lieferte, bevor es im 15. Jhd endgültig von ihnen erobert wurde. Die Ruinen waren einst
eine grosse Tempelanlage. Über 500 Stufen gelangt man auf den Gipfel einer Pyramide, wo auf einem Stein-Altar Opfer, vermutlich
(menschlicher Art) dargebracht wurden.
Mit verlässlichem Wind, schöner Startwiese und viel Platz zum Landen ein ideales Fluggebiet, das zudem noch Kultur von oben erlaubt. Achtung vor den Hochspannungsleitungen. Höhe über Landeplatz nur 150 m, ist aber wegen des dynamischen Windes vollkommen ausreichend. Startzeiten je nach Tageswindstärke vollkommen unterschiedlich, gegebenenfalls bis nach fünf Uhr abwarten. Rückwärtsstart Voraussetzung.
Alternative bei Andahuaylas: Cerro San José, 3450 m. Thermischer Flug, mit Bus gut erreichbar, kein einfacher Start, aber die Flieger von Lima haben hier schon Streckenflüge absolviert. Ich selbst bin bei meinem einzigen Besuch zu Fuss wieder abgestiegen.
Blick vom Startplatz auf 3300m in den Talkessel hinunter. Die erste Ebene liegt nur 150 m weiter unten, eine ideale Landefläche. Der Kessel reicht jedoch weiter hinab, bis zum Fluss Apurímac, der "sprechende Herr". Die weite Talöffnung nach Nord-Osten ergibt ab elf Uhr einen gleichmässigen, starken Wind, der an den Festungsruinen herauf zieht und unbeschränktes Soaren erlaubt.
Schweben über den Ruinen von Sondor. Flughöhe und -weite sind begrenzt hier im Tal, wegen des starken Windes, nicht aber die Flugdauer. Es ist eher sogar schwierig wieder auf den Boden zu kommen. Im Zentrum oben auf der Tempelanlage steht eine Art Altar aus riesigen, wenig behauenen Felsbrocken. Der Startplatz ist auf Höhe des Fahrweges unterhalb von mir.
Landung unterhalb der Ruinen. Toplanden sollte durchaus möglich sein, habe es aber, da ich allein unterwegs war, bei meinen drei Flügen nicht versucht. Rechts im Bild ein Berg in dessen Schatten eine 25,000 V Hochspannungsleitung liegt. Der letzte Mast vor der Talquerung der Leinen ist links neben dem Berg auf der Höhe sichtbar. Das ist direkt am Starthügel. Die Leitung ist weder von unten noch im Fluge erkennbar. Bei meinem ersten Flug habe ich mich, vollkommen unachtsam, darin verhangen, also bitte achtgeben.
Auszug aus dem Tagebuch:
"Bei meiner Ankunft spiele ich ein wenig mit dem Schirm, der Wind ist mir noch zu stark, aber er wird gegen Abend
hin schwächer. Dann halb sechs hebt es ab, es haben sich sogar wieder ein paar Starthelfer eingefunden.
Gleich schwebt es nett über den Ruinen. Da der Wind noch schwächer wird, fliege ich ein Stück Richtung Westen,
weil, man ist ja schlau, und weiss wo es im Relief bessere Aufwinde gibt. Dann stehe ich plötzlich still,
obwohl ich weiterhin scheinbar fliege, in der Luft hänge.
Ich gucke nach oben. Es blitzt und britzelt und funkt:
"Mensch Gerd, du hängst in einer Hochspannungsleitung!"
Angst kommt in dem Moment gar keine auf (kommt später), eher Interesse, Gedanken, wie es weiter geht.
Bin ziemlich weit oben, denke gleich (nicht ohne Eitelkeit, dass ich so passend ausgerüstet bin) an meine 25 m
Abseil-Reepschnur. Aber der Schirm bewegt sich wieder im Aufwind, und ich entdrille mit beiden Händen die
Leinen, ziehe ihn mit der Steuerleine auf eine Seite, oben funkt und britzelt es munter weiter, und dann kommt der
Boden plötzlich ganz schnell näher.
"Der Schiffbruch als Daseinsmetapher"
Beim Aufprall bleibt erstmal der Atem weg. Dann bewege ich Finger und Zehen und es kommt so ein Gefühl von Glückseligkeit: Alles noch da, es lebt, scheinbar kein Bruch. Dann gleich im nächsten Moment, ich weiss, ich bin undankbar, eine überschäumende Wut: Wie kann, wie kann ein einzelner Mensch alleine nur so dermassen dämlich sein, so viel Dummheit würde für zehn Politiker gleichzeitig ausreichen. Natürlich habe ich den Leitungsmasten beim Schirmausbreiten gesehen und mir, wie immer, selber Flugregeln aufgestellt, in welchem Gebiet zu fliegen, welche Höhe etc. Aber ich habe bei dem langen Tag die Konzentration verloren und es vergessen.
Meine netten Starthelfer sind inzwischen herbeigelaufen gekommen (einer, das ist wirklich witzig, sagt vollen Ernstes, "ich dachte du wärest in der Luft stehen geblieben, um ein paar Fotoaufnahmen zu machen, daher der Blitz...") Der Rest ist Schirmeinsammeln, und zur Wiese humpeln.
Reparatur nach Hochspannungsflug. Hinten ein ausgestopfter echter Condor. So nah bin ich ihnen nachher mit Gleitschirm nur noch im Colca-Tal, gekommen. Die nächsten zwei Flüge am selben Ort waren dann wesentlich besser.
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